Die Essbare Stadt

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Die Essbare Stadt2018-03-05T16:03:26+00:00

Die Essbare Stadt

13111_7344_gGrünflächen im verbauten Gebiet haben bisher vor allem einen Beitrag zum Stadtklima, zum Sauerstoffaustausch und für das seelische Wohlbefinden geleistet. Pflanzen erfeuen uns mit ihrer Vielfalt an Blättern und Blüten und zeigen den Jahresrhythmus an. Obwohl Pflanzen das Grundnahrungsmittel für Mensch und Tier sind, hat das im bebauten Gebiet heute kaum mehr eine Bedeutung. Finden sich in Mietergärten zwar öfter Gemüse und Obstpflänzchen, ist das im Bereich des Gemeinschaftsgrüns jedoch kaum der Fall. Das ist auch der Grund dafür, dass viele Menschen kaum mehr wissen, was essbar ist und was nicht. Und dann reagieren manche Mitbürger mit purem Entsetzen, wenn man vor ihnen „Kriecherln“ von einem Baum pflückt und diese auch noch ungewaschen isst.

Kindern Wissen weitergeben

Was man selbst nicht kennt, kann man auch nicht an die nächste Generation weiter geben. Deshalb wissen viele Kinder nicht, wie Lebensmittel unverarbeitet aussehen und wie Obst und Gemüse wachsen. Angst vor giftigen Pflanzen verhindert Anbau und Verzehr, aber oft ist diese Angst unbegründet. Am besten schützt Wissen vor Schäden: „Was man nicht kennt, isst man nicht und was man kennt, lässt man sich schmecken“ wäre da die Devise.

Kommunikatives Gärtnern

Schmückende Pflanzen wurden und werden in den Siedlungsräumen häufig forciert. Blumenschmuckwettbewerbe gibt es immer wieder. Lange Jahre war dabei auch die Österreichische Gartenbau-Gesellschaft im Zuge der Aktion „Wien im Blumenschmuck“ maßgeblich involviert. Nun finden sich auch im Rahmen des so genannten „Urban Gardening“ verschiedene Initiativen, die das meist gemeinschaftliche Gärtnern propagieren. Gemeinschaftsgärten sind das beste Beispiel dafür, dass Gärtnern verbindet. Neben dem gemeinsamen Anbau von Gemüse, wächst auch die Kommunikation, denn es gibt ein verbindendes Gesprächsthema. Menschen verschiedenster Altersstufen, sozialer oder kultureller Herkunft können zusammenfinden (weiteres dazu bei Gartenpolylog).

Geplante „Esszonen“

Auf einigen Freiflächen in Wohnhausanlagen haben bereits Landschaftsarchitekten und Wohnbauträgern die Idee des essbaren Grüns umgesetzt. Es werden allgemein zugängliche Gemüse- und Kräuterbeete sowie Beerenobsthecken und auch Obstbäume eingerichtet bzw. gepflanzt. Nach anfänglichen Schwierigkeiten entwickeln sich diese Flächen als Treffpunkt für alle Bewohner und erfreuen sich großer Beliebtheit. Es verlangt jedoch einer weiteren Betreuung, wenn die erste Euphorie geschwunden ist bzw. sich die Bewohnerstrukturen verändern. Eine Art „Fruchtstreetworker“, der gezielt berät und unterstützt, wäre eine Möglichkeit, Interessenskonflikte zu vermeiden.

Ernten wo es nur geht

Initiativen, Bürger beim Gärtnern zu unterstützen, gibt es bereits in einigen Kommunen. Das kann vom Zur-Verfügung-Stellen von Flächen bis hin zu Obstgehölzen in öffentlichen Anlagen, die zum Ernten freigegeben sind, gehen. Straßenbepflanzungen mit Obstgehölzen in Siedlungsgebieten, die in Abstimmung mit den Anrainern durchgeführt werden, sind ebenso eine Möglichkeit. Im unmittelbaren Wohnbereich können beispielsweise die neuen Wandbegrünungsmöglichkeiten genutzt werden, um auch hier Essbares heranzuziehen.
Zumindest bepflanzte Balkone und Fensterkisteln sollten machbar sein. Hier ist eine Abstimmung mit Eigentümer und Nachbarn nötig und man darf seinen Balkon natürlich auch nicht ins Unermessliche mit schweren Erdkübeln belasten. Gezielte Neuanpflanzungen sollten sich nach gewissen Gesichtspunkten, je nach Anpflanzungsort, richten.

Obstgehölze:

  • Sorten, die dem Klimagebiet angepasst und damit pflegeleicht sind (keine Exoten)
  • Früchte leicht erreichbar (keine Hochstämme)
  • Früchte leicht und roh essbar
  • wenig schmutzend
  • keinen Dornen und Stacheln auf Kinderspielplätzen

Kräuter, Gemüse, Erdbeeren:

  • Auswahl von unkomplizierten Sorten
  • gepflanzt auf Flächen, die Verschmutzung durch Hunde oder Vandalismus möglichst ausschließen
  • öfter tragende Sorten (z. B. Erdbeeren)