Homo umbram quaerens

//Homo umbram quaerens

Homo umbram quaerens

Während meiner aktiven Zeit als Leiter der Bundesgärten konnte ich während der dienstlichen Besuche  meiner Parkanlagen (Schönbrunn, Augarten, Burggarten, Volksgarten und Belvedere in Wien, Hofgarten und Ambras in Innsbruck) an sonnigen Sommertagen zunehmend beobachten, dass Parkbesucher fast ausnahmslos ihre Gehrouten in den schattigen Bereichen der Alleen – vor allem die schon in der Kaiserzeit an heißen Sommertagen beliebten sogenannten „Finsteren Alleen“ mit ihrem Bogenschnitt – verlegen und Platz auf den Schattenbänken Mangelware war. Im heißen Sommer 2003 gab es sogar Auseinandersetzungen, wenn heimische Parkbesucher „ihre“ bisher täglich besessene Schattenbank von Touristen besetzt vorfanden. Mittlerweile in Pension, auf meiner Gartengarnitur im Schatten unter einer 150 jährigen Linde an der Erlauf schreibend, tue ich mir natürlich relativ leicht, über die zunehmende Bedeutung von Schatten zu philosophieren. Ja, auch der mitteleuropäische Homo sapiens wird künftig – zumindest in den Sommermonaten – zu einem Volk von „Schattensuchern“ werden. Da wir den ehrenden Artnahmen sapiens schön langsam sowieso nicht mehr verdienen, wäre es daher an der Zeit uns auf „Homo umbram quaerens“ (Schattensucher) umzubenennen. Die zunehmende Bedeutung des Schattens gibt natürlich auch Anlass zu einigen Gedankenspielereien:

  • Werden die Außengrenzen von Schattenbereichen künftig gegen unerwünschte Eindringlinge  geschützt werden müssen?
  • Kommt es zu einer Rehabilitierung der „Schattenwirtschaft“?
  • Wird künftig ein „Schattendasein“ als Lebensweg erstrebenswert sein?
  • Werden die Krankenkassen künftig in noch größere finanzielle Schwierigkeiten geraten, wenn sie für Kursuchende zusätzlich einen „Kurschatten“ bewilligen werden müssen?

Die Fortsetzung dieser Liste überlasse ich gerne Ihrer Phantasie.

Peter Fischer-Colbrie

2018-08-16T10:13:43+00:00