Buchsbaum (Buxus sempervirens)

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Buchsbaum (Buxus sempervirens) 2017-06-13T15:09:31+00:00
  • „Illustration Buxus sempervirens0“. Lizenziert unter Public domain über Wikimedia Commons - http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Illustration_Buxus_sempervirens0.jpg#mediaviewer/Datei:Illustration_Buxus_sempervirens0.jpg

Über die Gefährdung einer historischen Pflanzenart und was man dagegen tun kann

Die Geschichte des „Gewöhnlichen Buchsbaums“ – meist Buchs genannt – kann bis in die Zeit der alten Griechen (Theophrast 371 – 287 v. Chr.) dokumentiert werden. Auch die Römer rahmten bereits ihre Beete mit niedrigen Buchsbaumhecken ein. Von den mittelalterlichen Klostergärten, über die Renaissance- und Barockgärten bis zu den klassischen Bauerngärten am Beginn des 20. Jh.s erfüllt der geschnittene Buchs bis heute die Aufgabe einer lebenden Beetumgrenzung.

Botanisches

Der Buchs zählt zur Ordnung Buxales (Buchsbaumartige), zur Familie Buxaceae (Buchsbaumgewächse) sowie zur Gattung Buxus (Buchsbäume). Aufgrund von Mutationen und Jahrhunderte währender Züchtung sind heute mehr als 60 Sorten von B. sempervirens mit Unterschieden in der Blattfarbe, Blattgröße, Blattform, Wuchsform und Wachstumsgeschwindigkeit bekannt.
Von März bis Mai erscheinen in den Blattachseln gelbliche, wohlriechende Blüten, die vor allem Bienen und Fliegen anlocken. Im September öffnen sich die dreiklappigen Samenkapseln und entlassen jeweils 2 schwarze, glänzende Samen mit duftenden Warzen. Dieser Duft lockt vorwiegend Ameisen an, die sie verschleppen und so für die Verbreitung sorgen.

Giftig und heilend

Es sind zwar alle Teile der Buchspflanze giftig (ca. 70 Alkaloide, darunter Cyclobuxin D), als Heilpflanze z. B. gegen Husten, Darmkrankheiten und sogar Malaria wurde sie dennoch seit der Antike geschätzt. Seit dieser Zeit werden Buchspflanzen auch in der Geomantie bis heute gerne zur Verbesserung der Platzqualität, z. B. bei Beeinträchtigungen durch unterirdische Wasseradern eingesetzt.

Beliebt in der Gartengestaltung

Buxus sempervirensSeine langjährige Beliebtheit als niedere Heckenpflanze hat er vor allem seinem immergrünen Laub, seinem langsamen Wuchs, seiner Robustheit, seiner Schnittverträglichkeit und Winterhärte zu verdanken. Als Solitärstrauch kann der Buchs eine imposante Höhe von mehr als 8 m erreichen und über 500 Jahre alt werden.
Sowohl als ausgesetzte Gartenpflanze als auch als Kübelpflanze wird der Buchs gerne zu kunstvollen Formen geschnitten, die von geometrischen bis zu phantasievollen Tierfiguren – auch topiarische Figuren genannt – reichen können.
Das schwere Holz des Buchsbaums wurde seit jeher zum Drechseln wertvoller Ziergegenstände verwendet.

Standort

Buchs bevorzugt den Halbschatten, verträgt aber auch je nach Sorte Vollsonne und Vollschatten. Für seine dauerhafte Gesundheit sind jedoch kalkhaltige, nicht zu trockene, vor allem aber durchlässige Böden Voraussetzung. Stauende Nässe („nasser Fuß“) führt bei Heckenpflanzen meist zu Totalausfällen (siehe auch Phytophtora-Welke). An solchen Standorten ist vor der Auspflanzung unbedingt eine Drainage empfehlenswert.

Schnitt und Vermehrung

Buchs Blattfärbung

Durch die Einlagerung des roten Farbstoffes versuchen vor allem geschwächte Pflanzen ihre Frosthärte zu erhöhen.

Buchs ist unter gewissen Voraussetzungen sehr gut schnittverträglich. Als Schnittwerkzeug eignet sich vor allem eine gut geschliffene Schere, die die Blätter glatt durchschneidet. Problematisch dagegen, und nur bei großen Schnittflächen aus arbeitstechnischen Zwängen zu empfehlen, sind motorgetriebene Heckenscheren, die mit einem „fransigen“ Schnitt der Blätter deren Austrocknung verursachen können. Besonders in letzterem Fall sollten Schnittmaßnahmen möglichst bei bedecktem Himmel erfolgen.

Der optimale Schnittzeitpunkt hängt von der Art des Schnitts ab. Der Grobschnitt bis ins alte Holz zur Erneuerung der Pflanze bzw. zur Gesundung nach Krankheitsbefall sollte kurz vor Beginn der Vegetationsperiode (März/April) stattfinden. Der Feinschnitt zur Formierung kann während der Vegetationsperiode von Mai bis Ende August auch mehrmals erfolgen. Bei späterem Schnitt können Neuaustriebe nicht mehr aushärten und erleiden Frostschäden. Durch die Einlagerung des roten Farbstoffes versuchen vor allem geschwächte Pflanzen ihre Frosthärte zu erhöhen. Die Verfärbung verschwindet im Laufe des Frühjahrs wieder.
Da grundsätzlich jede Schnittmaßnahme eine Belastung für die Pflanze darstellt, sollten vor allem für niedere Hecken langsamwüchsige Sorten (z. B. ´Blauer Heinz´, ´Hollandia´) bevorzugt werden.

Vermehren

Buchs kann leicht vegetativ durch Stecklinge vermehrt werden. Vorteile gegenüber der generativen Vermehrung durch Samen sind die genetische Einheitlichkeit und die kürzere Anzuchtzeit. Zur Stecklingsvermehrung werden von September bis März ca. 10 cm lange Zweigstücke von gesunden Pflanzen abgerissen („Risslinge“) oder abgeschnitten, ca. 2 Drittel von unten her entlaubt und über den Winter in einem Kleingewächshaus (in guten Fachgeschäften um wenige Euro zu haben) in Gartenerde, die mit ca 1 Drittel grobem Quarzsand vermischt wird, an einem hellen, nicht sonnigen Fenster bis zum Aussetzen im Frühjahr kultiviert. Im März gewonnene Stecklinge können bei geeigneter Witterung direkt in den Gartenboden gesteckt werden. Ein Eintauchen des unteren Endes des Stecklings in ein Bewurzelungshormon kann die Wurzelbildung beschleunigen.

Gießen und Düngen

Häufigere Wassergaben sind – ausgenommen bei Jung- und Topfpflanzen – nur während längerer Trockenperioden und an sonnigen Standorten notwendig. Um die Förderung von Pilzkrankheiten und Verbrennungen zu vermeiden, darf möglichst nicht über das Laub gegossen werden.
Besonders im Frühjahr sollten Freilandpflanzen mit einem mineralisch/organischem Volldünger bzw. Kompost versorgt werden. Im Herbst kann eine Gabe Kalidünger (z. B. Patentkali) die Frosthärte erhöhen. Kübelpflanzen benötigen während der Vegetationszeit häufigere Nährstoffzufuhr durch spezielle Buchs- oder Kübelpflanzendünger.

Buchs Winterschutz

Zweilagiger Frostschutz aus Noppenfolie und dekorativer Jute. Bild: Dr. Fischer-Colbrie

Überwinterung von Kübelpflanzen

Eingetopfte Buchspflanzen können problemlos im Freien überwintern, wenn der Wurzelbereich gegen Frost geschützt und an frostfreien Tagen auf die Bewässerung nicht vergessen wird.

Schädlinge und Krankheiten

In den letzten Jahren sind zu den bisher bekannten tierischen und pilzlichen Verursachern von Schäden an heimischen Buchsbaumkulturen durch Einschleppung neue Bedrohungen dazu gekommen. Im Folgenden ein kurzer Überblick über die wichtigsten Schadenserreger und empfohlene Gegenmaßnahmen:

Buchsbaumzünsler (Cydalima perspectalis, früher: Glyphodes perspectalis)

Erst vor wenigen Jahren aus Ostasien eingeschleppt, bedroht dieser Schmetterling mittlerweile massiv die europäischen Buchskulturen („Invasiver Neozoon“). Auch in Österreich breitet er sich besorgniserregend rasant aus.

Biologie:

Die Überwinterung erfolgt als Raupe in einem Kokon. Ab Mitte März bei Temperaturen über 7 °C nimmt die Raupe ihre Fraßtätigkeit wieder auf. Bis zur Verpuppung durchläuft die bis zu 5 cm lange, schwarz-weiß gestreifte grünliche Raupe 6 Larvenstadien. Die weißen Falter mit dunklen Flügelrändern haben eine Flügelspannweite von 4 bis 5 cm und sind nachtaktiv. Die Weibchen legen ihre linsenförmigen Eier auf die Unterseite der Buchsblätter, wo die Räupchen nach dem Schlüpfen wieder mit dem Fraß beginnen. In unserem Klima können bis zu 3 Generationen pro Jahr auftreten.

Schadbild:

Der Buchsbaumzünsler ist durch sein Fraßbild an den Blättern (oft bleiben nur die Blattadern übrig) an Zweigen und Rinde (Pflanzenteile darüber sterben ab) sowie durch seine Gespinste von anderen Schädlingen und Krankheiten gut zu unterscheiden.

Gegenmaßnahmen:

Bei Befallsbeginn und auf kleineren Flächen kann der Befall durch händisches Absammeln der Raupen und Puppen sowie durch das Abspritzen der Pflanzen mit einem scharfen Wasserstrahl mit folgendem Aufsammeln (z. B. von einer untergelegten Plastikplane) und Vernichten der dadurch heraus gefegten Raupen kostengünstig verringert werden. Bei bereits stärkerem Befall sind umweltverträgliche, biologische Bazillus thuringiensis-Präparate (z. B. „XenTari“) sehr gut wirksam. Jüngere Raupen werden sofort abgetötet, ältere Raupenstadien stellen zumindest ihre Fraßtätigkeit ein. Natürliche Pyrethrum-Präparate („Bellaflora Biogarten Schädlingsfrei“, „Neudorff Spruzit Schädlingsfrei“) bauen ihren giftigen Wirkstoff sehr schnell ab und können daher ebenfalls im Haus- und Kleingarten empfohlen werden.

Bei allen Behandlungsmaßnahmen ist unbedingt auf eine gute Benetzung aller Pflanzenteile – auch im Pflanzeninneren! – zu achten.

Krankheiten

Unter den Krankheiten ist vor allem das

Triebsterben durch den Pilz Cylindrocladium buxicola zu nennen.
Obwohl der Pilz erst vor wenigen Jahren mit infiziertem Pflanzenmaterial nach Nordeuropa eingeschleppt wurde, stellt er mittlerweile auch für Buchspflanzen in Österreich eine große Gefahr dar („Invasiver Neomyzet“).

Biologie:
Optimale Infektionsbedingungen findet der Pilz bei Temperaturen um 25 °C und einer Blattnässedauer von 5-7 Stunden. Für die Infektion benötigt er keine Wunden, er dringt durch die unversehrte Cuticula in das Blatt ein. Längere Hitzeperioden mit Temperaturen über 33 °C könnten laut Laborversuchen ein Absterben des Pilzes bewirken.
Seine Dauersporen (Chlamydosporen) können auf abgestorbenem oder abgefallenem Pflanzenmaterial mehrere Jahre überleben.

Schadbild:
An befallenen jungen Blättern entstehen helle Flecken, die von rot-braun verfärbtem Gewebe umgeben sind. Auf älteren Blättern bilden sich dunkelbraune Flecken, die mit fortschreitendem Krankheitsverlauf zusammenfließen und das Blatt letztendlich zum Vertrocknen und Abfallen bringen. Bei hoher Luftfeuchtigkeit bildet sich auf der Blattunterseite von befallenen Blättern ein weißes Myzel.
Charakteristisch sind die 1-2 cm langen fast schwarzen streifenförmigen Läsionen an den Trieben.

Gegenmaßnahmen:
Vorbeugend sollte in Befallslagen auf die Verwendung anfälliger Sorten wie B. sempervirens „suffruticosa“ oder B. sempervirens ´Blauer Heinz´ verzichtet werden.
Die Bewässerung sollte möglichst nicht über das Laub erfolgen.
Eine ausgewogene Ernährung fördert gesündere und widerstandsfähigere Pflanzen. Überdüngte Pflanzen sind krankheitsanfälliger!
Weiters sollte für die Vermehrung nur gesundes Pflanzenmaterial und für den Schnitt desinfiziertes, scharfes Werkzeug verwendet werden.
Mechanisch: Befallene Pflanzen sollten je nach Befallsstärke zurückgeschnitten oder vernichtet werden. Da abgefallene, infizierte Pflanzenteile Träger der Dauersporen sind, sollten diese samt oberster Bodenkrume ebenfalls sorgfältig entsorgt werden.
Chemisch: In Österreich sind derzeit noch keine Fungizide gegen diesen Pilz amtlich anerkannt. So wie in Deutschland empfohlen, könnten in heimischen Hausgärten bzw. in öffentlichen und kommerziellen Bereichen die für diese jeweiligen Einsatzbereiche im Zierpflanzenbau gegen Blattfleckenpilze wie z. B. Mehltau und Rostpilze anerkannten Fungizide angewandt werden.

Weitere pilzliche Krankheitserreger von Bedeutung an Buchs:

Volutella Trieb- und Blattsterben (Buchsbaumkrebs) (Volutella buxi)

Dieser Pilz wird zwar in seiner Gefährlichkeit seit kurzem durch das Cylindrocladium-Triebsterben übertroffen, durch die Ähnlichkeit der Infektionsbedingungen ist jedoch ein künftig häufiges gemeinsames Auftreten beider Schadenserreger zu befürchten.
Die Befallssymptome sind allerdings gut unterscheidbar. Befallene Blätter vergilben, werden braun, später grau und fallen ab. An ihrer Unterseite sind winzige rosafarbene Pusteln (Sporenlager) zu erkennen. Die Rinde befallener Zweige reißt abschnittsweise auf und löst sich vom Holz (Buchsbaumkrebs). Der Pilz überwintert auf abgefallenen Pflanzenteilen. Im Frühjahr erfolgt die Infektion über Wunden (z. B. Schnittwunden, Risse in Astgabeln u. a.). Von den Sporenlagern gehen bei feuchtwarmer Witterung weitere Infektionen aus.

Gegenmaßnahmen:
Vorbeugend sollte auf ausgewogene Ernährung und Bewässerung, Vermeidung von Blatt- und Staunässe sowie die Entfernung sämtlicher abgestorbener Pflanzenteile geachtet werden.
Bei starkem Befallsdruck sind vor dem Austrieb eine Behandlung mit einem kupferhältigen Fungizid sowie danach der Einsatz von Mitteln mit Anerkennung gegen „Rostpilze im Zierpflanzenbau“ anzuraten.

Phytophtora-Welke (P. cinnamomoni, P. nicotinae)

Die Phytophtorapilze sind vor allem bei nassen Böden klassische Erreger von Wurzelkrankheiten. Die oberirdischen Symptome sind reduziertes Wachstum, Gelbfärbung der Blätter und schließlich Absterben der Pflanze.
Gegenmaßnahmen:
Es können ausschließlich vorbeugende Maßnahmen wie Vermeidung von Staunässe (z. B. Drainage), Bodenaustausch nach Entfernung befallener Pflanzen und Einarbeitung von reifem Grünkompost gegen die Phytophtora-Welke empfohlen werden.

Buchsbaumrost (Puccinia buxi)

Dieser Pilz tritt vor allem an älteren Pflanzen von Buxus sempervirens auf. Ab Herbst werden die auffälligen braunen, ca. 2 mm großen, runden Wintersporenlager an der Blattunterseite sichtbar. Nach der Überwinterung entwickeln sich aus den Teleutosporen Basidiosporen, die für die gelblich, braunen Neuinfektionen an den Blattoberseiten verantwortlich sind.

Gegenmaßnahmen:
Befallene Blätter bzw. Triebe entfernen. Bei starkem Befall sind gegen „Rostkrankheiten im Zierpflanzenbau“ anerkannte Fungizide empfehlenswert.

Echter Mehltau (Phyllactinia guttata)

Dieser an zahlreichen Gehölzen und krautigen Pflanzen auftretende Pilz tritt an Buchs nur gelegentlich auf. Befallene Blätter zeigen an der Blattunterseite der typische weißliche Myzelbelag (Verwechslungsmöglichkeit mit Cylindrocladium buxicola), der bei starkem Befall auch auf die Triebe übergehen kann.

Gegenmaßnahmen:
Meist nicht erforderlich. Nur bei starkem Befall ist eine Behandlung mit einem gegen „Echten Mehltau im Zierpflanzenbau“ anerkannten Fungizid empfehlenswert.

Fusariumwelke (Fusarium buxicola)

Diese nur auf Buchs vorkommende Fusariumart befällt vorwiegend geschwächte, vorgeschädigte Pflanzen. Meist werden nur einzelne Astpartien befallen, die das Laub abwerfen und rasch absterben. Die Krankheit breitet sich in der Regel nicht weit aus.
Gegenmaßnahmen:
Vorbeugend ist die Gesunderhaltung der Pflanze anzustreben. Da der Befall nur begrenzt auftritt, genügt meist das Ausschneiden befallener Triebe.

Buchsbaum-Folder

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