19. Österreichische Baumpflegetagung

Am 25. und 26. November 2008 fand im Wiener Austria Center die von der Österreichischen Gartenbau-Gesellschaft veranstaltete 19. Österreichische Baumpflegetagung statt. Sie stand unter dem Motto: „Klima – Auswirkungen auf Bäume & Menschen”.



Die Folgen der menschenverursachten Klimaänderung und Auswege aus der derzeitigen Energiepolitik zeigte Starjournalist Dr. Franz Alt in seinem Einstiegsvortrag: „Sind wir noch zu retten? Bäume–Artensterben–Klimaschutz”. Allein die Sonne liefert jeden Tag 15.000-mal soviel Energie wie die gesamte Menschheit verbraucht, von anderen alternativen Energiequellen wie Wind- und Wasserenergie, Erdwärme, erneuerbare Energiequellen etc, abgesehen. Nur ein radikaler Umstieg auf diese Energien in Verbindung mit Energieeinsparungsmaßnahmen kann die Zukunft unseres Planeten sicherstellen. Er rief in einem leidenschaftlichen Appell Politiker und Entscheidungsträger zu raschem Handeln auf, vor allem auch, da man die Auswirkung der Freisetzung des CO2 aus den fossilen Brennstoffen und die dadurch verursachte Klimaänderung in der Zukunft schwer abschätzen kann.

Der Sachverständige Dr. Hans-Joachim Schulz aus  Düsseldorf stellte im Anschluss in seinem Vortrag die Frage: „Der Wert von Grün und was es uns wert ist.“. Er verglich die verschiedenen Methoden der Baumwertermittlung und stellte zusammenfassend fest, dass uns Grün mehr wert sein sollte.

Welche Baumarten im urbanen Raum unter Aspekten des Klimawandels ausgewählt werden können, berichtete Prof. Dr. Andreas Roloff vom Institut für Forstbotanik und Forstzoologie der TU Dresden. Die Besonderheiten des Stadtklimas in Verbindung mit geänderten Klimafaktoren (Abnahme der pflanzenverfügbaren Niederschläge, Zunahme von Starkregenereignissen) fordern eine Überdenkung des heute verwendeten Gehölzsortiments. Im Rahmen einer Studie wurde eine Klima-Arten-Matrix (KLAM) entwickelt, für die Trockenstress-Toleranz und Winterhärte in jeweils 4 Stufen als entscheidende Kriterien herangezogen wurden.

Den „Einfluss radiästhetischer Phänomene auf das Baumwachstum“ zeigten der Präsident der Österreichischen Gartenbau-Gesellschaft Dr. Peter Fischer Colbrie und Klaus Brudny vom Österreichischen Verband für Radiästhesie und Geobiologie.

Den Abschlussvortrag des ersten Tages bestimmte der Pflanzenschutz. Marion Kessler vom Bundesforschungs- & Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft referierte über die Massariakrankheit an Platanen in Wien. Diese ernstzunehmende Pilzerkrankung verursacht Nekrosen im Holz und den für die Krankheit typischen Sprödbruch. Obwohl die in Wiener Wohnhausanlagen untersuchten Platanen derzeit erst gering befallen sind, ist erhöhte Kontrolle dringend empfohlen. Außerdem soll das Kontrollpersonal besser in Schadbildkontrolle geschult werden.

Der zweite Tag stand im Zeichen von Workshops. Drei Themenbereiche standen zur Auswahl:

+     Arbeitssicherheit bei der Seilklettertechnik (Marcel Kreitl, Stefan Hofer von
Allianz Trees Austria):
    Sicherheit und Gefahrenerkennung muss an oberster Stelle bei allen Arbeiten in der
Seilklettertechnik stehen. Neben der theoretischen Erläuterung der einzelnen Faktoren
konnten die Teilnehmer des Workshops neue Erkenntnisse in der Klettertechnik
kennen lernen.

+     Die Kontrolle von Bäumen in der Stadt (Ing. Hans Heider, Wiener Wohnen):
    Die gesetzlichen Normen und Bestimmungen wurden erörtert sowie Fragen zur
Baumkontrolle geklärt. Die schriftliche Ausarbeitung der vorgeschlagenen
Diskussionspunkte liegt auf der ÖGG-Homepage unter www.oegg.or.at zum Nachlesen auf.

+     Zwingen uns die aktuellen Sturmereignisse zu einem Umdenken in der
Baumpflege? Wie weit geht die Vorhersehbarkeit von Brüchen? (Dipl.Ing. Helga
Zodl, Sachverständigenbüro Vlasitz & Zodl):
Der von den Teilnehmeranzahl größte Workshop setzte sich mit der – durch einen tragischen Anlassfall ausgelösten – Diskussion über die Sicherheitsanforderung an Bäumen auseinander. Es wurde gefordert, Bäume als Teile der Natur anzusehen, die Ansprüche an durchwurzelbaren Raum und Kronenraum haben. Sie bergen auch Gefahren, müssen jedoch weiterhin im Siedlungs- und Verkehrsbereich einsetzbar bleiben.

Nach der Präsentation der Ergebnisse der Workshops gewährte Ing. Alexander Markl  Einblick in die Arbeit der Wiener Berufs-Feuerwehr.

Nach dem Vortrag von Dr.Schabhütl von der Wiener Städtischen Versicherung AG über Haftungsfragen bei Sturmschäden diskutierten die Teilnehmer ausführlich über dieses brisante Thema.

Dr. Stützel brachte in seinem Referat über Wurzeleinwüchse in Leitungen interessante Versuchsergebnisse und neue Erkenntnisse. Die bisher verbreitete Meinung, dass Wurzeln durch die in den Leitungen fließenden Flüssigkeiten angezogen werden, wurde durch aufwändige Forschungsarbeiten widerlegt.

Der Vortrag von Dr. Tomiczek über das zunehmende Problem durch Borken- und Prachtkäfer im Stadtgebiet bildete den Abschluss der vielbeachteten und ausgebuchten Tagung.